Die de-Mail kommt: Heilsbringer oder Ungetüm?

 

Kontoauszüge oder ähnliche vertrauliche Dokumente dürfen bislang nicht per E-Mail verschickt werden, werden bei den meisten Banken jedoch auf der Webseite als digitaler Auszug abrufbar angeboten. Auch sind viele Kündigungen nur in schriftlicher Form möglich. An dieser Stelle wollte der Gesetzgeber eingreifen und hat die de-Mail schaffen lassen. Das Verfahren soll schnell, günstig und vor allem sicher sein, sowie die Identität des Senders / Empfängers sicher stellen.

Dass das vom Staat beauftragte Unternehmen, ein ehemaliges staatliches Unternehm, die Deutsche Telekom, das diesen Auftrag vom Bund quasi „auf den Leib geschneidert“ bekommen hat, diesen Dienst nicht kostenlos zur Verfügung stellt, war zu erwarten. So soll eine E-Mail von einer de-Mail-Adresse 39 Cent kosten. Wieso nun jedoch ein Einschreiben bei dem (angeblich) ohnehin schon so sicheren Verfahren einen zusätzlichen Aufpreis von 39 Cent (Gesamtpreis für ein Einschreiben daher 78 cent je E-Mail) rechtfertigt, ist fraglich. DieseS Einschreiben bedeutet bei der Telekom jedoch nicht, das der Absender auch eine Empfangsbestätigung erhält, denn diese kostet weitere 12 Cent. Der Gesamtpreis für eine E-Mail als Einschreiben mit Empfangsbestätigung beläuft sich daher auf 90 Cent. Dies ist zwar immernoch schneller und günstiger als 1,60 EUR für ein Einschreiben mit der Post, ist nach wie vor aber nichts anderes als eine E-Mail, welche bislang kostenlos verschickt werden konnte. Viel schlimmer ist jedoch, das eine zugestellte E-Mail automatisch als rechtskräftig gilt. Egal ob der betroffene Bürger derzeit einen Zugang zum Internet hat, oder – wie in vielen ländlichen regionen immernoch – nicht. Ein weiteres Risiko für den Bürger ist der Zugang zu seinem de-Mail-Konto. Wird das Konto eines Bürgers von Fremden geknackt und mussbräuchlich genutzt, muss der Bürger erst einmal nachweisen, das er es nicht selbst war, der sein Passwort eingegeben, die Mail verschickt und somit den Vertrag unterzeichnet hat. In den meisten Fällen dürfte dieser Beweis schwierig bis garnicht zu erbringen sein.

Zudem hat sich der Staat einige Hintertüren offen gehalten. So unerliegt die de-Mail nicht dem Briefgeheimnis. Sie ist zwar verschlüsselt, für den Staat jedoch einsehbar. zudem können empfangene schreiben (wenn sie ihre Rechtverbibndlichkeit behalten sollen – es ist keine Unterschrift oder Ähnliches vorhanden) lediglich digital abgespeichert werden, was für den Bürger zusätzliche Kosten in Form von Onlinespeichern bedeutet. Ohne diese Onlinesicherungen würde ein einfacher Festplattenchrash, ein Wohnungsbrand oder ein Einbruch – Diebstahl des Notebooks/PCs für den Normalbürger den Verlust sämtlicher Schreiben bedeuten. Das Nutzen des herkömmlichen, günstigen und über Jahre bewährten Leitzordners ist ab diesem Moment nicht mehr möglich.

Ein kleiner Lichtblick bleibt jedoch: Eine normale E-Mail, gesendet mit einer de-Mail-Adresse kostet lediglich 39 Cent, Privatpersonen haben drei E-Mails pro Monat frei. Unternehmen können sich für 320 EUR im Monat, 1000 Freimails im Monat kaufen. Ob dieses System den „Papierkrieg“ reduziert oder bürokratische Abläufe lediglich in die digitale Welt verlagert und nebenbei teurer macht, wird sich herausstellen. Ebenso wird sich zeigen müssen, ob dieses Unterfangen von den Bürgern angenommen wird oder ähnlich dem ePost-Brief (der wenigstens noch die „nicht digitale Kundschaft“ erreichen kann) im Sande verläuft und vom Bürger verschmäht wird. Außerdem wird nicht alles digitalisiert werden können, da es auch heute noch Personen gibt, welche kein Internet besitzen…

Die Grundidee ist durchaus gut, doch wären eine offene Auschreibung, das Nutzen von aktuellen technischen Möglichkeiten und eine rechtliche Gleichstellung mit dem herkömmlichen Brief wesentlich sinnvoller gewesen. Vielleicht wäre aber auch lediglich eine Reduzierung der staatlichen Bürokratie sinnvoll gewesen. Hauptprofiteur der de-Mail sind aller Voraussicht nach Finanzämter, Einwohnermeldeämter und deren Verwandte. Es scheint fast so, als wird das derzeit sehr beliebte und kostenlose – die E-Mail – staatlich optimiert und mit einem Preisschild versehen. Schlimmstenfalls wird der Bürger mit den Kosten belastet in dem er in dieses System hineingezwungen wird. Begonnen bei Behörden welche ein (vermeintlich) sicheres de-Mailkonto voraussetzen (zB finanzamt, Einwohnermeldeamt etc.), über Unternehmen welche plötzlich auf sicherem Wege Anmeldungen, Kündigungen und Rechnungen zustellen wollen und keine herkömmlichen E-Mailadressen mehr akzeptieren. Bleibt nur zu hoffen, das nicht plötzlich die derzeitigen Freemailangebote wegfallen oder bewusst unatraktiv gemacht werden (zB kleinere Postfächer). Nicht umsonst sind neben der Telekom auch die beiden größten deutschen Freemailer GMX und Web.de zusammen mit der Deutschen Telekom im Boot. Die Folge all dessen wäre eine nicht wirklich sichere, staatlich entwickelte, durch den Staat und die Unternehmen erzwungene, kostenpflichtige Kommunikation, welche für die Meisten, außer dem Staat und einigen Wirtschaftunternehmen, lediglich ein zusätzlicher Kostenaufwand wäre.

 


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